Celtic Night, "Das Jahr des Prinzen", 22. Oktober 06

Ascheberg. Die Geschichte hat im Grunde alles, was eine gute Story braucht: einen charismatischen Protagonisten, Dramatik, Spannungund ein Quentchen Romantik.

Was allerdings fehlt, ist das Happy End.Genau das sorgt aber dafür, dass sich zahllose Legenden um den schottischen Bonnie Prince Charlie und das Jahr des Prinzen ranken. Mit einer Fülle von Liedern und Balladen halten die Schotten die Erinnerung an den Aufstand ihres Stuart-Prinzen lebendig.

Wie zeitlos dieses Liedgut ist, wurde am Sonntag in der Aula der Theodor-Fontane-Schule in Herbern deutlich. Dorthin hatte der Kunst- und Kulturverein Kukaduh zur Celtic Night geladen.

In einer Kombination aus Erzählung und traditioneller Folkmusik ließen dort Uwe Schumacher (Erzähler) Wibke Jackson (Gesang, Tin-whistle, Bodhrán), Craig Herbertson (Gesang, Gitarre) und Quest Tewordt (Dudelsack, Flöte, Bodhrán) das Jahr des Prinzen Revue passieren. Es sind die Lieder, die seine Geschichte unsterblich gemacht haben, erklärte Uwe Schumacher.

Er widmete sich der Biografie des Prinzen Charles Edward, der sich aus dem Exil auf den Weg machte, um die schottische Krone für die Stuarts zurück zu erobern. Was im Frühjahr des Jahres 1745 mit der heimlichen Landung des Bonnie Prince Charlie in Glenfinnan begann, endete nur ein Jahr später mit der völligen Vernichtung des althergebrachten Clansystems der Highlands auf dem Schlachtfeld von Culloden bei Inverness.

Der Prinz entkam nach einer abenteuerlichen Flucht durch die Highlands und über die Hebriden mit einem Schiff nach Frankreich. Er wurde ein trübseliger, trunksüchtiger alter Mann, der vereinsamt starb, erzählte Uwe Schumacher.

Melodie und Leben eingehaucht bekam die spektakuläre Geschichte des schottischen Stuart-Prinzen durch Folkmusik. Mit Traditionals wie dem Skye Boat Song oder Loch Lomond wussten die drei Musiker das Publikum zu begeistern. Insbesondere Wibke Jackson überzeugte dabei mit glasklarer, kraftvoller Stimme, die auch gälische Volkslieder eindrucksvoll intonierte.

Für authentisches Highland-Feeling sorgte Piper Quest mit Kilt und Dudelsack.
Besonders stimmig war die Inszenierung von Lesung und Liedern immer dann, wenn Text und Musik ineinander griffen und einander ergänzten. Dennoch sprang der Funke der Celtic Night nur durch die Musik über. Uwe Schumachers Text über den Schotten-Prinzen brachte das Geschehen zwar näher, blieb aber durch den wenig lebendigen Vortrag eher blass.

Da die Celtic Night aber zu einer Reihe mit verschiedenen keltischen Themen ausgeweitet werden soll, hat sie sicher noch Ausbaupotenzial. Auch was keltische Bezüge anbelangt. Denn in dieser Form war die Aufführung in Herbern doch eher eine Scottish Night. Die kam bei den über 100 Gästen in der Aula der Theodor-Fontane-Schule allerdings bestens an.

Dabei zeigte es sich, dass wohl auch so einige Schottland-erfahrene Gäste gekommen waren, die die Musiker bereitwillig stimmlich unterstützten. Mit viel Applaus wurden die Musiker der Celtic Night schließlich verabschiedet. Diese gaben mit ihrer Zugabe einen stilechten Ausstand: dem klassischen schottischen Abschiedslied Auld Lang Syne.

(Westfälische Nachrichten/Ruhr Nachrichten)

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