| Kalle Pohl: Bettmän, 3. Februar 06 |
Der voll besetzte Saal hatte einen solchen an ihm gefressen, folgte ihm von Beginn an willig und prustend durch sein knapp zweistündiges Programm "Bettmän". Das Titel gebende Möbelstück stand allein auf der Bühne, aus dem Bettkasten zog Pohl die entsprechenden Requisiten, die ihn von Gag zu Gag trieben.
Ausgestattet mit einer großen Portion Selbstironie kalauerte er sich durch sein Programm - stand mit fünf Jahren zum ersten Mal auf einer Bühne, es war eine Hebebühne -, streifte kurz (zu kurz!) die Politik - Angela Merkel: eine Frau die in der Tanzstunde nie aufgefordert wurde, soll man nicht unterschätzen, sie rächt sich später für jeden Slowfox, den sie nicht aufgefordert wurde, oder die SPD: oben große Klappe, unten Reformstau.
Und er kehrte immer wieder zum Bett zurück: Was wäre passiert, so fragte er sein Publikum, wenn Christoph Columbus im Bett geblieben wäre" Er hätte Amerika nicht entdeckt und logischerweise wäre uns ein Präsident Bush erspart geblieben.
Pohls Gestik ist sparsam, er steht auf der Bühne in Jeans, einem kariertem Hemd über dem orangefarbenen T-Shirt und plaudert wie über'n Gartenzaun.
Virtuos bedient er das Akkordeon und stimmt das Lied von der Fleischfachverkäuferin an. Als Zugabe gibt er auf der Gitarre ein zärtliches Liebeslied an seinen Dackel, das zum Schluss umkippt, denn "der Dackel ist so wie ich".
Zur Höchstform lief Kalle Pohl am Schluss auf, als er eine "Porno Oper" mit Anspruch vorstellte, "die Ledermaus". Da spielt er drei, vier Rollen gleichzeitig, gleichzeitig mit der Sprache - ein Genuss.
(Ruhr Nachrichten)